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31.07.2017 - 15:41

Bei "Elbe 1" wird der Lotse Ronny Dietz an Bord genommen. Kapitän Dymtro Poteshkin (vorne) bleibt natürlich auf der Brücke und wird zum Berater. Foto: Reinhart Bünger

Sonntag 31.07.2017 - 15:41 Uhr
Der Lotse hat seinen ersten zusammenhängenden Satz gesagt! 31.07.2017 - 15:37 von Sonntag

Er ist (fast) wieder da!

53 Grad, 54 Minuten Nord 
9 Grad, 8 Minuten Ost
Geschwindigkeit: 0 Knoten



Das Frühstück mutet an wie eine Henkersmahlzeit: ein letztes Mal Eier mit Speck. Heute soll unser Ankunftstag sein und es sieht nicht so aus, als wenn auf den letzten Seemeilen noch die Ruderanlage ausfällt. Schade, die schöne Zeit auf See geht zu Ende. Kann man schon daran merken, dass weniger gesprochen wird. Schon in den frühen Morgenstunden ging das Gebimmel an Bord wieder los – nach elf Tagen mit der Ansage „kein Netz“. Vor Frankreichs Küste hatten wir sporadisch immer wieder mal Empfang und schon während des Frühstücks werden SMS beantwortet, Mails gecheckt, Fotos versandt. Zurück in der Zivilisation? Nein, eher zurück in der digitalen Kommunikation.  

Ein Blick auf den Blog im Tagesspiegel. Huch! „Wo ist Bünger?“ lautet der letzte Eintrag. Was denn, seit Donnerstag keine Dienstmeldungen von Bord? Kann nicht sein. Jeden Tag sollten ein Beitrag und Bilder von Bord gehen, war auch alles vorbereitet und wurde höchstpersönlich auf die Brücke getragen zwecks Übermittlung per Satellit. Heiliger Klabautermann! Wer hat das dazwischengefunkt.

Egal, lässt sich ja alles nachtragen, bald sind wir wieder an Land.

Der Kapitän hat’s ganz schön eilig, den Zeitplan einzuhalten. Die „Combi Dock III“ mit der alten „Peking“ an Bord läuft 18,1 Knoten, hoffentlich fliegen uns nicht die von Chefingenieur Dudnik Vyacheslav hochgejazzten Maschinen um die Ohren. Aber die Strömungsverhältnisse schieben uns wohl ein Stück. Weiter und weiter. Der Marine Tracker zeigt nun, dem Netz der Niederländer sei Dank, auf die Wasserwelle genau an, vor wir sind: Die Insel Terschelling liegt an, Texel haben wir eben passiert. Will man das so genau wissen? Vielleicht, aber nicht jederzeit.

Strahlender Sonnenschein und Möwen begleiten unsere Fahrt. Zudem kreist um uns herum eine kleine Propellermaschine. Die Rückkehr der „Peking“ nach Deutschland wird in den Küstenländern offenbar mit großem Interesse verfolgt. Der Wind, der Flugzeuge zu tragen vermag und Rahsegler um das Kap Hoorn pustet, ist hier ein stets präsenter - mal sanfter, mal rauer - Naturbursche.



Doch wir müssen unter Deck. Es ist an der Zeit, die Kammer aufzuräumen und den Seesack zu packen. Der kleine Jack Daniel’s, der in Staten Island zugestiegen war, kommt natürlich auch mit. Irgendetwas riecht hier erstaunlich gut. Das muss das Mittagessen sein, das sich über die Klimaanlage durch die Lüftung ankündigt: „Smashed potatoes and meat balls“, erläutert Koch Andrij Virka. O.k., wunderbar, aber es reicht eine kleinere Portion. Der erste Offizier Pavlo Kolesnikov, der einen unnachahmlich zupackenden „Wo-steht-das-Klavier?“-Gang hat, bekommt vom Koch stets einiges aufgeladen. Will er den Hünen mästen? Weiß der Himmel, wo er damit bleibt.

Zeit sich von der „Peking“ zu verabschieden. Möge die alte Dame mit ihren wunden Stahlleib in der Peters Werft in Wewelsfleth gesunden. Zweieinhalb, eher drei Jahre werden für die Restaurierung veranschlagt. Doch erst einmal heißt es, bei ablaufendem Wasser Brunsbüttel zu erreichen. Wir laufen noch einmal bis zur Heckklappe des Dockschiffes und machen letzte Fotos von dem Bugspriet des alten Rahseglers: Die „Peking“ wurde gegen die Fahrrichtung eingedockt. Also wollen wir den Windjammer Rahsegler noch einmal von vorne sehen und klettern auf die abgelegten Lukendeckel, die sonst das Deck der „Combi Dock III“ verschließen.

Der Kapitän hat auf der Brücke inzwischen seine Offiziere um sich versammelt: Wie wollen wir es machen? Es geht natürlich um die Lotsenmanöver und das Anlegen in Brunsbüttel. Auch seine Mannschaft ist aktiv. Heute wird auf dem weiß Vordeck „Klar Schiff“ gemacht. Wer weiß, wie viele NDR-Teams dieses Mal kommen.

Inzwischen kommen uns etliche Schiffe aus der Deutschen Bucht entgegen: Kurs Atlantik. Auch einige kleine Segler sind unterwegs. Es fängt mächtig an zu prasseln: Sauwetter. Wie bei der Abfahrt aus Staten Island. Wieder wird die „Peking“ bis auf das Stahlgerüst nass.

Inzwischen ist das Ammerland erreicht. Bald kommt die Position „Elbe 1“ in Sicht. Dort soll der Lotse an Bord genommen werden. Und da steht er auch schon: Ronny Dietz möchte um die „Peking“ keine großen Worte machen (hat den Tagesspiegel-Blog aber en detail verfolgt, wie sich bald zeigt). Es dürstet ihn noch einmal Schluck Wasser. Sonst sagt er nach einem freundlichen „Moin erst mal nichts. Das muss er auch nicht, denn Dockschiff-Kapitän Dmytro Poteshkin redet ja. Über die aktuellen technischen Daten seines Schiffes, Kurs und wie viele Maschinen laufen (zwei), die Zahl der Männer an Bord wird auch genannt (keine Frauen). Ronny Dietz, ein Mann Mitte Dreißig, natürlich küstenblond mit hellen blauen Augen und von stämmiger Figur, hört sich alles an und sagt dann: „Kurs 130“. Sonst nichts.

Schließlich kommt der Schlepper, der uns in den Elbe Port Brunsbüttel bugsieren soll. Der Name ist mit Bedacht gewählt, geht es doch darum, die „Peking“ – einen ehemaligen „Flying P-Liner“ – auf einen neuen Kurs zu bringen. Die F. Laeisz-Reederei gab allen ihren frachttragenden Großseglern damals einen Schiffsnamen, der mit P begann. „Flying P-Liner“ deshalb, weil die Schiffe so schnell waren. Passenderweise heißt der Schlepper also „Parat“.

Am Land ist kein großes Empfangskommando zu erkennen: Die NDR-Teams dürften die größte Kopfzahl auf das Kai gebracht. Eine Blaskapelle, das den „Hamburger Veermaster“ intoniert, ist Gott-sei-Dank auch nicht zu erkennen. Das wäre auch zuviel des Guten gewesen: Vielleicht hätten wir wirklich noch eine Träne verdrückt. Um 18 Uhr 20 sind wir fest, können aber erst um 19 Uhr von Bord: Die Gangway muss nach allen Regeln der deutschen Hafenkunst installiert werden. Ordnung muss eben sein. „Es gibt andere Kapitäne, die ihre Schiffe nicht so gut im Griff haben“, sagt Ronny Dietz zum Abschied. Es bleibt der einzige zusammenhängende Satz, den er an Bord gesprochen hat.

31.07.2017 - 13:53

Foto: Reinhard Bünger

Sonntag 31.07.2017 - 13:53 Uhr
Kehrwoche 31.07.2017 - 13:54 von Sonntag



Jetzt wird tatsächlich geschrubbt.

Wenige Stunden vor der Ankunft in Brunsbüttel wird auf der Combi Dock III noch einmal "Klar Schiff" gemacht. 

31.07.2017 - 12:56

Foto: Bünger

Sonntag 31.07.2017 - 12:56 Uhr
Feucht durchwischen, anyone? 31.07.2017 - 13:00 von Sonntag

Sieht aus wie ein durchschnittliches Badezimmer 1991 in Prenzlauer Berg, ist aber von der Peking. Da fühlt sich Bünger immerhin fast schon wieder wie zu Hause.

Hier müsste wirklich einmal feucht durchgewischt werden. Ein letzter Besuch auf der "Peking" zeigt noch einmal den enormen Restaurierungsbedarf: (fast) alles muss raus.

31.07.2017 - 12:21

Foto: Reinhard Bünger

Sonntag 31.07.2017 - 12:21 Uhr
Eier! Bünger braucht Eier! 31.07.2017 - 12:21 von Sonntag

Er ist wieder aufgetaucht. Und sendet: Fresscontent.


Koch Andrij Virka hat zum letzten Frühstück vor der Ankunft in Brunsbüttel seinen Klassiker neu aufgelegt: Eier mit Speck.

31.07.2017 - 12:37

Die Viermastbark Peking in der Elbmündung.

©Stiftung Hamburg Maritim, Hans Hartz

sabrina markutzyk 31.07.2017 - 12:37 Uhr
Deutscher Wetterdienst zeichnet erste Fahrt der „Peking“ von 1911 nach 30.07.2017 - 12:35 von Sonntag

Mit Hilfe seines Archivs, zu dem auch meteorologische Journale gehören, hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Jungfernfahrt der historischen Bark analysiert.

Im Archiv des Deutschen Wetterdienstes im Seewetteramt Hamburg lagern über 37.000 dieser historischen meteorologischen Schiffsjournale deutscher Reedereien aus den Jahren 1829 bis 1939. Auch 20 Journale der „Peking“ mit verschiedenen Eintragungen und Wetteraufzeichnungen sind bis heute erhalten geblieben. 

Diese Journale waren damals wie heute von großem Wert, um die Wind- und Wetterverhältnisse auf See klimatologisch zu erfassen und auszuwerten.

Eintragungen der Jungfernfahrt der „Peking“ nach Valparaiso (Chile):


Kurz nach Abreise, am 23. Juni 1911, findet sich der erste Vermerk: „Steuern hinter Schlepper“; „2h Elbe 1 dwars“. Der Himmel ist fast bedeckt (8/10), Wind: SSW 3, Luftdruck: 762,9 mm, Lufttemperatur: 15,2 °C, Wassertemperatur: 14,7 °C, etwas Regen … 

Die Reise führte durch die Nordsee, wo das Schiff gleich in einen Sturm mit bis zu 8 Windstärken geriet. Dieser sollte aber nicht der letzte sein. Nach einer relativ ruhigen Passage auf dem Atlantik erwartete die „Peking“ am 26. und 27. August im Seegebiet um Kap Hoorn ein Orkan. Aber auch dieses schwere Wetter wurde heil überstanden.

 

Am 14. September 1911 ist dann im Journal über die Ankunft in Valparaíso zu lesen:

„4h30 halten auf die Bay zu, nehmen Schlepper an und werfen um 7h Anker auf der Reede von Valparaíso. Ende der Reise. Reisedauer 84 Tage.“

Weitere Infos zu den historischen Schiffstagebüchern des DWD: 

http://www.dwd.de/DE/leistungen/metschiffsjournale/metschiffsjournale.html





Aktuelle Position des Dockschiffs mit der „Peking“:

http://www.hamburg.de/combi-dock-3-position/

 


30.07.2017 - 12:36

Der Reiseverlauf der Jungfernfahrt der „Peking“.

Es sind jeweils die Mittagspositionen zusammen mit der Windmeldung gezeigt.

© Deutscher Wetterdienst (DWD)

Sonntag 30.07.2017 - 12:36 Uhr
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